Polska Misja Katolicka

Die Polnische Katholische Mission in Deutschland
(Auszug aus der Geschichte)

     Zu den ersten größeren Ansammlungen von Polen auf deutschem Boden kam es schon nach dem Niedergang des November Aufstandes (1831), als viele der Herzogtümer polnische Flüchtlinge aufnahmen.
     Eine neue Auswanderungswelle von Polen auf der Suche nach Arbeit erfolgte zum Ende des 19. Jahrhunderts. Das Ruhrgebiet hatte damals hauptsächlich im Bergwerk und in der Hüttenindustrie einen großen Bedarf an Arbeitskräften. Die polnische Bevölkerung kam auch nach Hamburg um in den Häfen zu arbeiten. Um 1890 lebten ca. 100 000 Polen im mittleren und westlichen Kaiserreich und um 1900 waren es sogar 250-300 000 Menschen. 1914 waren bereits 750 000 Menschen überwiegend in Westfalen und im Rheinland aber auch um Hannover und Berlin konzentriert. Außerdem entwickelte sich zeitgleich die Saisonauswanderung. Polen arbeiteten in der Landwirtschaft um Hannover und Magdeburg. Nach einer Zählung 1907 lebten damals in Preußen 237 000 polnische Saisonarbeiter. Die polnischen Emigranten, die vorwiegend römisch-katholisch waren, bezeugten mit ihrer Frömmigkeit von Anfang an eine starke Bindung zur Kirche und schätzten die Geistlichkeit hoch. Ihnen fehlte jedoch eine regelmäßige polnische Seelsorge. Die Betreuung durch einzelne Priester fand nur gelegentlich statt. Die aus dieser Zeit bekannten Namen der Geistlichen waren: Antoni Kantecki, Władysław Enn und Józef Szotowski.
     Ende des 19. Jahrhunderts trat eine Lockerung in der preußischen antikirchlichen und antipolnischen Politik ein. Zu diesem Zeitpunkt nahm der Geistliche Franciszek Liss die Missionsarbeit unter den polnischen Auswanderern im Ruhrgebiet auf. Es unterstützten ihn auch Kapläne aus Polen oder auch Studierende aus Münster. Dank der Bemühungen und des Engagements der Geistlichen entstanden Kirchen und zahlreiche polnisch-katholische Vereine. Nach der Abschwächung des Kulturkampfes konnten auch polnische Zeitschriften erscheinen und es wurden polnische Schulen und Banken eröffnet.
     In den Jahren 1939-1945 waren über 2 Millionen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge im Dritten Reich, darunter waren 1945 ca. 100 000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 18 Jahren. In dieser Zeit war die Seelsorge auf Polnisch verboten. Trotz allem meldeten sich mutige Geistliche freiwillig zur Zwangsarbeit um so ihre Landsleute zu betreuen: Zbigniew Delimata, Stanisław Malec, Władysław Przybylski, Antoni Rauer und Pater Rudolf Jakubek. Nach der Befreiung aus dem KZ-Lager Dachau im April 1945 nahmen fast 700 polnische Priester sofort die seelsorgerische Tätigkeit unter den Zwangsverschleppten, den sog. DP's (Displaced Persons) auf.
     Am 5. Juni 1945 berief der Heilige Stuhl den Erzbischof, Józef Gawlina, zum Ordinarius für die Polen in Österreich und Deutschland und bestimmte damit auch die Grenzen seiner Jurisdiktion. Es wurde ein bischöfliches Ordinariat berufen mit einer unabhängigen Jurisdiktion zur Seelsorge der römisch-katholischen Polen. Das Ordinariat unterlag direkt dem Heiligen Stuhl. Am 20. Februar 1964, nach dem Tode von Erzbischof Gawlina, wurde Protonotarius Ap. Edward Lubowiecki zum kanonischen Visitator ernannt. Nach seinem Tod (1975) wurde die Bischofskurie für die Polenseelsorge (Frankfurt /M.) aufgelöst, wobei die Jurisdiktion vom 20. Juni 1976 der Deutschen Bischofskonferenz übertragen wurde. Als Delegat der Deutschen Bischofskonferenz für die Polnischen Missionen, mit Sitz in Freising, wurde Stefan Leciejewski ernannt.
     In den Jahren 1975-1991 kamen 1,5 Millionen Polen nach Westdeutschland. Während der „Solidamość"-Zeit nahm die neue Emigration rapide zu. 1981-1982 erlebten die Polnischen Katholischen Missionen durch die Organisation von Gedenkandachten eine geistige Verbundenheit mit dem Kloster auf Jasna Góra und dem dort 600-jährigem Bestehen des Bildes der Muttergottes von Tschenstochau. Die Funktion des Delegaten der Polnischen Katholischen Mission übernahm Dr. Franciszek Mrowiec von 1986-2002 in Würzburg. 1995 feierten die polnischen Gemeinden ihr 50-jähriges Bestehen unter dem Vorsitz von Kardinal Józef Glemp. Aus Dankbarkeit für die Jahre der polnischen Seelsorge der Nachkriegszeit fand eine Peregrination des Bildes der Muttergottes von Tschenstochau in allen polnischen Missionen statt.
     Im Februar 2002 wurde Prälat Stanisław Budyn zum Delegaten der Polnischen Katholischen Mission ernannt. Der Sitz der Delegatur der Polnischen Katholischen Mission in Deutschland wurde von Würzburg nach Hannover verlegt.

Die Verantwortlichen für die Polnische Katholische Mission in Deutschland:
1945 – 1964 Erzbischof Józef Gawlina
1964 – 1975 Protonotarius Ap. Edward Lubowiecki
1976 – 1986 Prälat Stefan Leciejewski
1986 – 2002 Prälat Dr. Franciszek Mrowiec
2002 – Prälat Stanisław Budyn